ich nehme noch einmal Hamann zur Hand, schlage auf und – wie der
Ast auf Gilmanows Kopf unweit von Hamanns Grab in Münster, so fällt auf
mich die Kapitelüberschrift: “Vermächtnis”. und ich folge der Spur zu
“Entkleidung und Verklärung”. in der Tat: wir können unsere Rolle des
beobachtenden, recherchierenden, prophetisierenden und reflektierenden
Autors auf Hamanns Spuren ablegen und beginnen, die Zeit hier, Traumjob
und Erinnerungsarbeit, in unsere eigene Erinnerung zu überführen, in
unser eigenes “alter Name”, immer unter dem Banner der Verklärung

“Da also die Summe des Gegenwärtigen unendlich klein ist gegen die das mehrfache Aggregrat des Abwesenden, und der Geist des Weissagung unendlich überlegen dem einfältigen Geiste der Beobachtung:”
und spätestens hier fällt mir auf, dass wir die ganze Zeit genau
zwischen diesen beiden Polen schwebten: Bartfeld mit seinen unendlichen
Erinnerungsaggregaten eines Abwesenden und Gilmanow mit seiner
Apokalypse und seinen Orakeln. und wir – unendlich klein dazwischen als
Beobachter, einfältig aber gegenwärtig. Sammler und Jäger.
oder einfach wie die hier:

“… so hängt unser Erkenntnisvermögen von den vielköpfigen
Modificationen der innigsten, dunkelsten und tiefsten Billigungs- und
Begehrungstriebe ab, denen es unterthan seyn muß.” (S.384, Bd3 Nadler)
doch Rettung naht:
“Dies ist zugleich wieder ein Beweis von dem unzertrennlichen Bande
zwischen dem Geist der Beobachtung und Weissagung. Freilich ist unser
Wissen Stückwerk,und unser Weissagen Stückwerk; vereinigt aber, ist es
eine dreyfache Schnur, die nicht leicht entzwey reißt.” (S. 398)
man achte auf das unlogische dreyfach! das ist doch ein
Zeichen!! (Jörg, der Recherchist der Spuren, Marion, die Finderin der
Formen, ich – in den sich kreuzenden Fäden gegenwärtiger Reden und Töne,
in denen die Zukunft liegt)
nun wird mir klar: das Fell des Autors auszuziehen reicht nicht, auch
nicht in Verklärung zu schwelgen, es gilt, das Gesehene revisionär Revue
passieren zu lassen, “im Lichte der Prophezeiungen” (ha! das nenn ich
mal eine Spur!)

eine strahlende Zukunft, von Dichterhand geschaffen. (kleine Anm:
diese strahlende Manifestation des Sozialismus, aufragend am Strand,
Lift in die Zukunft, jetzt noch verfallen weil befallen von
Vergangenheit, wird dereinst von der Hand des Freunds des Dichters
wieder auferstehen als Panoramacafé)
“Ich will mich aber selbst entkleiden, meine Hände ausbreiten, wie sie
ein Schwimmer ausbreitet, um über das stille gehende Wasser der
Vergangenheit zu schwimmen oder darinne unterzugehen.”(S. 404)
flieg, Albatros, flieg!










